Leadership 2035: Führung in der neuen Arbeitswelt
featured

Leadership 2035: Führung in der neuen Arbeitswelt

26. Januar 2026
3 Min. Lesezeit

Welche Führungskompetenzen brauchen Manager in einer Welt von Remote Work, KI und generationenübergreifenden Teams?

Vor einigen Wochen saß ich mit einem Geschäftsführer zusammen, der mir eine Frage stellte, die mich seitdem nicht mehr loslässt: "Wenn KI bald alles besser kann als ich – wozu braucht mein Unternehmen dann noch mich?"

Er meinte es ernst. Dieser Mann führt seit 20 Jahren erfolgreich ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern. Er hat Krisen gemeistert, Märkte erschlossen, ein Team aufgebaut. Und jetzt zweifelt er an seiner Daseinsberechtigung.

Seine Frage verdient eine ehrliche Antwort.

Das Missverständnis

Viele Führungskräfte verstehen KI als Konkurrenz. Als etwas, das ihnen den Job wegnehmen will. Das ist verständlich – die Schlagzeilen sind voll davon.

Aber es ist falsch.

KI ist kein Ersatz für Führung. Sie ist ein Werkzeug, das Führung verändert. So wie das Telefon Führung verändert hat. So wie E-Mail Führung verändert hat.

Der Unterschied: Diesmal ist die Veränderung größer. Und schneller.

Was KI kann – und was nicht

KI kann Daten analysieren, schneller und umfassender als jeder Mensch. Sie kann Muster erkennen, die uns verborgen bleiben. Sie kann Routineentscheidungen treffen, konsistent und ermüdungsfrei.

Was KI nicht kann: Verantwortung übernehmen.

Wenn eine Entscheidung schiefgeht, kann man keinen Algorithmus feuern. Wenn ein Kunde verärgert ist, kann man ihm keinen Chatbot schicken. Wenn ein Mitarbeiter in der Krise steckt, hilft keine noch so gute Analyse.

Führung bedeutet, für Ergebnisse geradezustehen. Das kann keine Maschine.

Die drei Verschiebungen

Von Wissen zu Urteil: Früher war der Chef oft der, der am meisten wusste. Das funktioniert nicht mehr – KI weiß mehr. Die neue Währung ist Urteilsvermögen.

Von Kontrolle zu Vertrauen: Wenn KI-Agenten eigenständig handeln, können Sie nicht mehr jeden Schritt kontrollieren. Sie müssen Ziele definieren und darauf vertrauen, dass das System sie erreicht.

Von Antworten zu Fragen: Die besten Führungskräfte im KI-Zeitalter sind nicht die mit den besten Antworten. Es sind die mit den besten Fragen.

Was bleibt

Bei all dem Wandel gibt es Dinge, die sich nicht ändern.

Menschen wollen für Menschen arbeiten, nicht für Algorithmen. Sie wollen gesehen werden, gehört werden, wertgeschätzt werden.

Das kann keine KI liefern.

Die besten Führungskräfte, die ich kenne, haben eines gemeinsam: Sie interessieren sich aufrichtig für ihre Mitarbeiter. Diese Fähigkeit wird im KI-Zeitalter nicht weniger wichtig. Sie wird wichtiger.

Die praktische Seite

Morgens: Sie beginnen den Tag mit einem Briefing von Ihrem KI-Assistenten. Er hat die Nacht genutzt, um Daten zu analysieren, Berichte zu erstellen, Anomalien zu identifizieren.

Vormittags: Sie treffen Entscheidungen, die nur Sie treffen können. Strategische Weichenstellungen, Personalfragen, Kundenbeziehungen.

Nachmittags: Sie verbringen Zeit mit Menschen. Mitarbeitergespräche, Teamrunden, Kundenbesuche. Die Dinge, die keine Maschine übernehmen kann.

Abends: Sie denken nach. Über die großen Fragen. Wohin entwickelt sich der Markt? Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Der Geschäftsführer

Zurück zu dem Mann, der mich gefragt hat, wozu sein Unternehmen ihn noch braucht.

Ich habe ihm gesagt: Ihr Unternehmen braucht Sie mehr denn je. Nicht als den, der alles weiß. Nicht als den, der alles kontrolliert. Sondern als den, der Richtung gibt. Der Verantwortung übernimmt. Der Menschen zusammenbringt.

Das ist Führung. Das war es immer. Und das wird es bleiben – egal wie intelligent die Maschinen werden.

Artikel teilen
Tags
featuredLeadershipManagementZukunft