Deepfakes und KI-generierte Inhalte bedrohen die Markenidentität von Unternehmen. Wie strategischer Markenschutz hilft – und warum Prominente wie Matthew McConaughey bereits handeln.
Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz stellt das Markenrecht vor völlig neue Herausforderungen. Deepfakes, KI-generierte Inhalte und automatisierte Markenpiraterie bedrohen die Identität von Unternehmen wie nie zuvor. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten, Marken proaktiv zu schützen.
Das Problem: KI als Werkzeug für Markenrechtsverletzungen
Die Fähigkeit moderner KI-Systeme, täuschend echte Stimmen, Bilder und Videos zu erzeugen, hat das Potenzial für Markenrechtsverletzungen dramatisch erhöht. Prominente wie Matthew McConaughey haben bereits reagiert: Der Oscar-Preisträger ließ seinen ikonischen Ausspruch "Alright, alright, alright" markenrechtlich schützen, um sich gegen unautorisierte KI-Nutzung seiner Stimme zu wehren.
Was für Prominente gilt, betrifft auch Unternehmen. Wettbewerber oder Betrüger können mit wenig Aufwand gefälschte Werbematerialien, manipulierte Produktbilder oder synthetische Testimonials erstellen, die kaum von echten Inhalten zu unterscheiden sind. Die Folgen reichen von Reputationsschäden bis hin zu direkten Umsatzverlusten.
Strategischer Markenschutz als Präventivmaßnahme
Angesichts dieser Bedrohungen gewinnt der strategische Markenschutz an Bedeutung. Eine frühzeitige Markenanmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) oder beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) schafft die rechtliche Grundlage, um gegen Verletzungen vorzugehen.
Die Kosten sind überschaubar: Eine deutsche Markenanmeldung beim DPMA beginnt bei 290 Euro für bis zu drei Waren- oder Dienstleistungsklassen. Für EU-weiten Schutz fallen beim EUIPO ab 850 Euro an. Besonders attraktiv für kleine und mittlere Unternehmen: Der KMU-Fonds der EU bezuschusst Markenanmeldungen mit bis zu 75 Prozent der Kosten, maximal 700 Euro.
Neue Schutzstrategien für das digitale Zeitalter
Traditionelle Markenstrategien reichen im KI-Zeitalter nicht mehr aus. Unternehmen sollten erwägen, nicht nur Logos und Slogans, sondern auch charakteristische Elemente wie Stimmen, Jingles oder visuelle Stilelemente zu schützen. Dies erschwert die missbräuchliche Nutzung durch KI-Systeme und schafft eine breitere Angriffsfläche für rechtliche Schritte.
Darüber hinaus empfiehlt sich ein aktives Monitoring des Marktes. Spezialisierte Dienste können das Internet nach potenziellen Verletzungen durchsuchen – einschließlich KI-generierter Inhalte. Je früher eine Verletzung erkannt wird, desto effektiver können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Rechtliche Durchsetzung im digitalen Raum
Wird eine Markenrechtsverletzung festgestellt, stehen verschiedene rechtliche Instrumente zur Verfügung. Die Abmahnung ist oft der erste Schritt: Sie fordert den Verletzer auf, die Nutzung einzustellen und eine Unterlassungserklärung abzugeben. In vielen Fällen lässt sich so eine gerichtliche Auseinandersetzung vermeiden.
Bei hartnäckigen Verletzern oder wenn erheblicher Schaden entstanden ist, kann eine Klage erforderlich sein. Dabei können Unterlassung, Schadensersatz und die Vernichtung rechtsverletzender Waren gefordert werden. Die Beweissicherung ist hier entscheidend – Screenshots, Archivierungen und forensische Analysen sollten frühzeitig erfolgen.
Besonderheiten bei KI-generierten Inhalten
Eine rechtliche Grauzone betrifft die Frage, ob KI-generierte Inhalte selbst urheberrechtlich geschützt werden können. Nach aktueller Rechtslage in den USA und Europa können rein maschinell erzeugte Werke keinen Urheberrechtsschutz genießen, da ein menschlicher Schöpfer fehlt. Dies bedeutet: Wer KI-generierte Inhalte nutzt, kann sich nicht auf eigenes Urheberrecht berufen – verletzt aber möglicherweise fremde Markenrechte.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Der Markenschutz bietet einen robusteren Schutz als das Urheberrecht, wenn es um die Abwehr von KI-basierten Angriffen geht. Eine starke Marke kann auch gegen KI-generierte Nachahmungen verteidigt werden.
Handlungsempfehlungen
Unternehmen sollten ihre Markenstrategie regelmäßig überprüfen und an die neuen Bedrohungen anpassen. Dazu gehört eine Bestandsaufnahme bestehender Schutzrechte, die Identifikation von Schutzlücken und die Entwicklung einer proaktiven Verteidigungsstrategie. Auch interne Richtlinien für den Umgang mit KI-generierten Inhalten sollten etabliert werden.
Quellen:
[1] Wall Street Journal: "Matthew McConaughey Trademarks Himself to Fight AI Misuse" (13.01.2026)
[2] DPMA: KMU-Fonds für Markenanmeldungen (2026)
[3] digitaltrademarks.de: "Urheberrecht und KI-generierte Inhalte" (07.01.2026)
[4] Capes Sokol: "AI, IP & Your Business: The Copyright Myths AI Users Get Wrong" (27.01.2026)
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