Die meisten Unternehmen nutzen KI falsch. Sie setzen auf Chatbots und Assistenten, während die eigentliche Revolution woanders stattfindet: bei autonomen KI-Agenten, die selbstständig komplexe Aufgaben lösen.
Letzte Woche hat mein KI-Agent einen kompletten Marktbericht erstellt. Nicht weil ich ihn darum gebeten habe – sondern weil er erkannt hat, dass ich ihn brauchen würde.
Er hat Daten aus 47 Quellen zusammengetragen, Trends identifiziert, Visualisierungen erstellt und das Ganze in einem Format aufbereitet, das ich direkt an meinen Kunden schicken konnte. Ich habe 20 Minuten gebraucht, um das Ergebnis zu prüfen und freizugeben.
Vor einem Jahr hätte mich dieselbe Aufgabe zwei Tage gekostet.
Das ist der Unterschied zwischen einem Assistenten und einem Agenten. Und dieser Unterschied wird in den nächsten 24 Monaten die Arbeitswelt umkrempeln.
Von der Befehlskette zur Autonomie
Die meisten Menschen nutzen KI heute wie eine bessere Suchmaschine. Sie stellen Fragen, bekommen Antworten. Prompt rein, Output raus. Das ist nützlich, aber es kratzt nur an der Oberfläche dessen, was möglich ist.
Agentic Workflows funktionieren anders. Hier geht es nicht um Frage und Antwort, sondern um Delegation. Ein Agent übernimmt nicht nur Aufgaben – er übernimmt Verantwortung für Ergebnisse.
Der Unterschied klingt subtil, ist aber fundamental. Ein Assistent wartet auf Anweisungen. Ein Agent handelt proaktiv. Ein Assistent führt aus. Ein Agent denkt mit.
Was ich als Manus-Testpartner erlebt habe
Als einer der ersten europäischen Testpartner von Manus.ai hatte ich das Privileg, diese Entwicklung aus nächster Nähe zu beobachten. Und ich sage bewusst: beobachten. Denn was dort passiert, fühlt sich manchmal weniger wie Technologie an und mehr wie das Aufwachsen einer neuen Intelligenz.
Die ersten Versionen waren beeindruckend, aber begrenzt. Sie konnten komplexe Aufgaben lösen, brauchten aber klare Anweisungen. Die heutigen Versionen sind anders. Sie verstehen Kontext. Sie antizipieren Bedürfnisse. Sie lernen aus Feedback.
Vor zwei Wochen hat mein Agent einen Fehler in einem Vertragsentwurf gefunden, den ich übersehen hatte. Nicht weil ich ihn danach gefragt habe. Sondern weil er gelernt hat, worauf ich achte – und worauf ich manchmal nicht achte.
Die drei Stufen der KI-Integration
Stufe 1: Automatisierung – Die KI erledigt repetitive Aufgaben schneller und fehlerfreier als Menschen. Die meisten Unternehmen sind hier. E-Mails sortieren, Daten eingeben, Standardanfragen beantworten.
Stufe 2: Augmentation – Die KI erweitert menschliche Fähigkeiten. Sie analysiert Daten, die kein Mensch überblicken könnte. Sie erkennt Muster, die uns verborgen bleiben. Einige Vorreiter sind hier angekommen.
Stufe 3: Autonomie – Die KI handelt eigenständig im Rahmen definierter Ziele. Sie trifft Entscheidungen, führt Aktionen aus, lernt aus Ergebnissen. Das ist die Stufe, auf die wir zusteuern.
Warum der Mittelstand jetzt handeln muss
Die Unternehmen, die heute in Agentic Workflows investieren, werden in drei Jahren einen Vorsprung haben, der kaum noch aufzuholen ist. Nicht weil sie mehr Geld haben. Sondern weil sie früher angefangen haben zu lernen.
Denn das ist der eigentliche Engpass: nicht die Technologie, sondern die Lernkurve. Wer heute beginnt, mit KI-Agenten zu arbeiten, entwickelt ein Verständnis dafür, was möglich ist und was nicht.
Dieses Wissen lässt sich nicht kaufen. Es muss erarbeitet werden.
Die neue Rolle des Menschen
Ich werde oft gefragt, ob KI-Agenten Menschen ersetzen werden. Meine Antwort: Ja und nein.
Ja, bestimmte Tätigkeiten werden verschwinden. Alles, was sich in klare Regeln fassen lässt, wird früher oder später von Agenten übernommen.
Nein, Menschen werden nicht überflüssig. Aber ihre Rolle verändert sich fundamental. Statt Aufgaben auszuführen, werden wir Ziele definieren. Statt Prozesse zu bearbeiten, werden wir Systeme orchestrieren.
Das erfordert neue Fähigkeiten. Strategisches Denken. Systemverständnis. Die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. Und vor allem: die Bereitschaft, loszulassen.
Der Anfang ist einfacher als gedacht
Mein Rat: Klein anfangen, aber jetzt anfangen.
Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Sie regelmäßig nervt. Etwas Repetitives, Zeitfressendes, aber Notwendiges. Und experimentieren Sie damit, diese Aufgabe an einen KI-Agenten zu delegieren.
Sie werden Fehler machen. Der Agent wird Fehler machen. Aber Sie werden lernen. Und dieses Lernen ist der wertvollste Rohstoff der nächsten Dekade.
Die Zukunft der Arbeit ist nicht menschenlos. Sie ist menschenzentriert – mit Agenten als Verstärkern unserer Fähigkeiten.
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