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Erkenntnisse und News aus dem World Economic Forum in Davos - wir waren vor Ort.

Patrick Schillgalies, Verleger des "Manager Review" und Geschäftsführer der gleichnamigen Agentur, teilt seine Erkenntnisse und Informationen vom World Economic Forum 2024 in Davos. Diese sind vielfältig und zeigen deutlich, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Hier einige Inhalte aus den fünf Tagen in Davos:


Sam Altman, CEO von OpenAI, betonte die transformative Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der globalen Wirtschaft. Er prognostizierte, dass KI bald Tausende digitaler Mitarbeiter für jedes Unternehmen ermöglichen könnte, was besonders für die deutsche Wirtschaft ein Weckruf sein sollte. Obwohl Technologie Arbeitsplätze kosten wird, gibt es Möglichkeiten, dies durch neue Steuermodelle auszugleichen.


Christina Linder sprach davon, dass Deutschland nicht "der kranke Mann Europas" sei, sondern eher "ein müder Mann nach einer langen Nacht".


Meiner Meinung nach bietet die aktuelle Rezession eine Chance für technologisch Versierte und Tüchtige, wenn Innovation und Kapital zusammenkommen. Deutschland steht an einem entscheidenden Punkt, an dem Agilität, Technologieverständnis und Kapital wichtiger denn je sind. Große Unternehmen verfügen über Kapital, kleinere über Agilität. Doch beide zögern oft noch, die nötigen Investitionen zu tätigen und überlassen so anderen die Marktführung. In dieser sich schnell wandelnden Welt, in der KI die Arbeitswelt prägt, ist es essenziell, nicht im globalen Wettbewerb zurückzufallen und verstärkt Kooperationen und Risiken in kleinen Projekten als Forschungsarbeit einzugehen.


Die Möglichkeit einer erneuten Präsidentschaft von Donald Trump war ein besorgniserregendes Gespenst in Davos. Es sei wichtig, den eigenen Standort zu fördern und sich nicht nur von Russland, sondern auch von den USA unabhängig zu machen.

In Deutschland wird es bald Sparmaßnahmen bei Rentenzuschüssen in Milliardenhöhe geben, die am 8. Januar 2024 öffentlich wurden. In Davos wurde vorgeschlagen, Aktienrenten auf EU-Ebene zu etablieren. Ich befürchte, hier wird nur Kapital in die hohe Wirtschaft gehen und der Mittelstand vernachlässigt. Die Schere zwischen Arm und Reich wird wohl weiterhin weiter auseinandergehen: Die aktuelle Oxfam-Studie zur Ungleichheit zeigt, dass die fünf reichsten Männer ihr Vermögen seit 2020 verdoppelt haben, während fast fünf Milliarden Menschen ärmer geworden sind. Diese Ungleichheit und Missverständnisse über internationale Entwicklungsprojekte verschärfen die Stimmung bei Arbeitern und im Mittelstand.


Dennoch finde ich, dass man an der Ampelregierung gut erkennen kann: "Kommunismus endet immer dann, wenn das Geld anderer Leute ausgeht". Daher sollte man die Wirtschaft und große Firmen auch nicht verteufeln. Vielmehr sollte man sich selbst und das eigene Business in Frage stellen und neue Chancen nutzen.


Christian Lindner sprach in Davos nicht von 99, sondern von 16 Problemen und meinte damit die eigenen Bundesländer. In Wirtschaft und bei Bürgern wird die Weltwirtschaft und globale Druckpunkte oft übersehen und nicht vollständig verstanden. Sie fühlen nur den eigenen sozialen Abstieg und zunehmende Regulation sowie gebrochene Versprechungen. Deutschland profitiert z.B. selbst von der Vergabe günstiger Kredite für Entwicklungsprojekte, die helfen, eigene Klimaziele zu erreichen. Im eigenen Land wären diese viel teurer und würden die eigene Wirtschaft noch mehr unter Druck setzen. Im Ausland gewinnt man so Kontrolle, Freunde und kommt dem globalen Druck bei der Erreichung der Klimaziele nach. Von der eigenen Bevölkerung werden diese Investitionen oft kritisiert, weil im Land genug Probleme bestehen. Wenn man allerdings aus dem eigenen Land hinausgeht und die Weltwirtschaft betrachtet, gehört Deutschland noch immer zur oberen Spitze, während es in anderen Ländern an Grundlagen wie Nahrung fehlt. Im Vergleich besitzt Deutschland pro Kopf nicht sehr viel Vermögen oder Immobilien, aber der Alltag auch als Mieter und mit geringen Renten ist noch immer besser als das Leben in anderen Ländern. Ob Deutschland die Welt retten sollte oder überhaupt kann, sind entsprechende Diskussionen innerhalb von Deutschland. Dass in einer globalen Wirtschaft und dem Klima alles zusammenhängt, ist allerdings ebenfalls verständlich.


Ohne USA und NATO keine Sicherheit und ohne EU kein freier Handel, keine Exportnation und keine stabile Währung. Ob die guten Gedanken auch gut gemacht sind und nicht andere Systeme doch die bessere Lösung wären, bietet Raum für Diskussionen.


Die Frage, wie eine Welt aussieht, in der nicht alle arbeiten müssen/können, wird immer drängender. Die Herausforderung besteht darin, soziale Systeme zu schaffen, die diese Veränderungen auffangen können. Es wäre bereits jetzt möglich, kleine Kommunen komplett autark mit Energie zu versorgen, die Landwirtschaft zu automatisieren und die Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Doch was machen wir dann mit unserer Zeit, was macht man mit den ganzen Menschen und der Überbevölkerung in der Welt? Sind deswegen die Bemühungen um 15-Minuten-Städte, in denen alles ohne Auto zu erreichen ist, der richtige Weg? Werden wir bald alles mieten, nichts mehr besitzen und dabei glücklich sein? So wären Renditen weiter möglich und das Leben der Bürger würde nicht an Qualität verlieren, sondern an Komfort und Freizeit gewinnen.



Als jemand, der bereits 2023 mit eigenen KI-Technologien in den Medien präsent war, sehe ich, dass Unternehmen wie Accenture oder Bain & Company und deren Kunden bereits eine Vorreiterrolle durch eigene Systeme einnehmen. Selbiges gilt im kleinen und bezahlbaren Maßstab für unsere Kunden. Ich empfehle Unternehmen, eigene digitale Lösungen auf Basis der APIs zu entwickeln, anstatt nur auf bestehende KI-Tools mit Handfesseln zu setzen. Accenture bietet den eigenen Kunden z.B. über 600 KI-Lösungen für verschiedene Bereiche an. In Deutschland mangelt es jedoch oft an Weitblick, Kapital und Zeit für solche Innovationen und Trends im Alltag. Es gibt oft noch nicht einmal eine KI-Strategie und nicht einmal einen Dienstleister oder Mitarbeiter für Prompt Engineering. Mehr als ein paar Texte in Chat GPT zu schreiben, ist oft nicht passiert, obwohl Experten, insbesondere in NRW, staatlich geförderte Potenzialberatungen (40% Zuschuss) anbieten, um Unternehmen bei der Entwicklung und Anpassung an diese neuen Herausforderungen zu unterstützen. Doch trotzdem erwachen deutsche KMUs nicht aus ihrem Dornröschenschlaf und planlosem Aktionismus ohne die Märkte, den Wandel und neue Technologien überhaupt richtig zu verstehen und beklagen sich über geopolitische, gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Turbulenzen. Jetzt braucht es einen guten Steuermann, Weitsicht und Risikobereitschaft, um in dem Meer der Neuzeit bestehen zu können. Für den sicheren Hafen sind Schiffe nicht gebaut und werden bei diesem Wellengang gegen die Küste schlagen und untauglich für die See werden.

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